Mach’s wie Klara
Ein Gespräch aus meiner Coachingpraxis
….
Klara kam zum Coaching und meinte ziemlich genervt : „Ich weiß gar nicht mehr, wo mir der Kopf steht! Wenn ich nur wüsste, was richtig ist!“
„Um was geht es denn?“
„Ich habe endlich den Job gefunden, der mich interessiert und eigentlich müsste ich mich freuen. Aber stattdessen sitz ich da und weiß nicht, wie ich mich entscheiden soll.“
„Was wären denn die Folgen dieser Entscheidung?“
„Ich würde das machen können, was zu meiner Ausbildung passt, würde mehr verdienen, aber ich müsste auch umziehen nach N. und wahrscheinlich käme sehr viel mehr Arbeit auf mich zu. Ich hab schon Listen gemacht, was für und was gegen diesen neuen Job spricht. Aber da komm ich auch nicht weiter.“
Genau an diesem Punkt begann meine Arbeit als Coach. Ich erläuerte den möglichen Einstieg.
„Wenn wir die Wahl haben, fällt es uns nicht immer leicht, eine Entscheidung zu treffen. Zu viele Argumente gehen uns durch den Kopf. Es ist, als ob die unterschiedlichsten Stimmen in uns, die eine lautstark, die anderen eher leise, das Ergebnis beeinflussen wollten. Um überhaupt eine Entscheidung treffen zu können, neigen wir dazu, der einen Stimme das Wort zu erteilen und ihr Glauben zu schenken, den anderen aber befehlen zu schweigen. Doch das Ergebnis stimmt uns nicht zufrieden. Wir spüren, dass Bedürfnisse nicht berücksichtigt wurden und Konsequenzen einer Entscheidung zu wenig bedacht sind.“
„Genauso ist es. Mal bin ich nahe dran, zuzusagen und mal möchte ich am liebsten an meiner alten Stelle bleiben.“
„Wenn du so wie jetzt vor die Wahl gestellt wirst, dann höre deinen inneren Stimmen genauer zu. Jede hat einen wichtigen Beitrag zu liefern. Höre heraus, wer in diesen Chor mit eingestimmt hat und gib den einzelnen Stimmen einen Namen. Da ist vielleicht die Ehrgeizige, die dich antreibt, endlich mehr für die Karriere zu tun und deshalb die neue Stelle anzunehmen. Die Ehrgeizige findet es gut, wenn sie neue Aufgaben bekommt, will sich reinhängen und zeigen, was sie kann. Doch da ertönt die Stimme der Freundin, die dich daran erinnert, dass du die Menschen um dich herum nicht vergessen solltest. Und die Ängstliche malt Schreckensszenarien, was passieren kann, wenn du die neuen Aufgaben übernehmen.“
„Das ist ja spannend. Und wie hilft mir das jetzt bei meiner Entscheidung?“
„Wir können das gemeinsam durchspielen und festhalten, was dir durch den Kopf geht. Finde, welche Stimmen in deinem inneren Chor laut werden. Du gibst ihnen Namen und notierst, was sie dir zu sagen haben. Jede Stimme ist wichtig und beleuchtet einen anderen Aspekt, der bei der anstehenden Entscheidung eine Rolle spielen sollte.“
„Und welche könnten das sein?“
„Dann frag dich, was dich zweifeln lässt. Das könnten sein
- Die Sicherheitsstimme: „Bleib lieber bei dem, was du kennst.“
- Die Zweiflerin: „Ist die Stadt die richtige für mich?“
- Die Neugierige: „Das könnte spannend werden.“
- Die Mutige: „Dort könnte ich viel lernen.“
- Die Vernünftige: „Passt das zu meinem Leben und meinen Bedürfnissen?“
- Die Harmoniebedürftige: „Was, wenn die Kollegen mich nicht mögen?“
- Die Karrierestimme: „Das wäre eine gute Chance, weiterzukommen.“
- Die Freiheitsliebende: „Endlich etwas Neues und mehr Gestaltungsspielraum.“
„Und dann?“
„In einem nächsten Schritt schicken wir deine Stimmen an den Verhandlungstisch. Stell dir vor, es handele sich um ein reales Team. Die Teammitglieder sollen nun darlegen, welche Bedingungen sie an eine Entscheidung knüpfen. Auch das schreibst du auf. Dann wird dir möglicherweise klar werden, dass die Stimme der Angst dich nicht davon abbringen will, neue Aufgaben zu übernehmen, sondern nur dafür sorgen möchte, dass du genau prüfst, ob du ihnen gewachsen sind oder ob du möglicherweise dein Wissen vorher noch erweitern solltest. Und die Stimme der Freundin wird ihren Widerstand aufgeben, wenn du ihr zusagst, für regelmäßige Treffen mit den engsten Freunden zu sorgen.“
„Und am Ende weiß ich dann, was ich tun soll?“
„Mit dem Inneren Team kommst du auf jeden Fall zu stimmigeren Entscheidungen als mit einer Plus-Minus-Liste, denn das Verhandeln mit deinen inneren Stimmen sorgt dafür, dass alle Bedürfnisse wahrgenommen und Lösungen gesucht werden, diese zu berücksichtigen. Wenn du zum Schluss kommst, doch an deiner alten Stelle bleiben zu wollen, kannst du der Stimme der Ehrgeizigen zusichern, dich aktiv um neue Aufgaben zu kümmern, eine Weiterbildung zu machen und deine Karrierepläne deinem Vorgesetzten vorzutragen.“
„Lass uns anfangen, ich bin schon ganz gespannt, welches Ergebnis wir mit meinem Inneren Team erzielen.“
Vertiefende Literatur dazu: Dieses Buch ist schon etwas älter. Ich empfehle es trotzdem, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass seine Themen nichts von ihrer Bedeutung verloren haben.
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