Aber der Weg dorthin war alles andere als geplant
Er holte einen kleinen Zeitungsausschnitt aus seinem Geldbeutel, fein säuberlich gefaltet. „Den trage ich schon so lange mit mir herum“, sagte er, „und heute bin ich hier.“ Es war meine Anzeige. Mein erster Klient.
In diesem Moment wusste ich noch nicht, dass dieser Mann der Beginn von etwas sein würde, das bis heute anhält.
Dabei hatte mein Leben ganz anders ausgesehen.
Ich hatte Lehramt für das Gymnasium studiert, dann Sozialwissenschaften mit Master abgeschlossen, zehn Jahre universitäre Forschung gemacht. Ein ordentlicher, respektabler Weg. Dann kamen drei Kinder. Dass ich danach nicht mehr arbeiten würde – das wurde einfach erwartet. Von allen. Und ich fügte mich. Was blieb, war die Mitarbeit in der Praxis meines Mannes – unsichtbar, unbezahlt, selbstverständlich. Ein paar Stunden als Trainerin blieben – möglich nur, weil ich die Jahre an der Universität genutzt hatte, um vor Publikum zu sprechen, Seminare zu leiten, Wissen zu vermitteln. Genau das wurde später mein wichtigstes Handwerkszeug.
Irgendwann war klar: So konnte es nicht bleiben.
Mehr über meine Geschichte erfährst du hier.
1996 begann ich eine Coachingausbildung. Coaching – das kannte in Deutschland damals kaum jemand. Kein etablierter Berufsweg, keine klare Vorstellung davon, ob und wie man davon leben könnte. Zweieinhalb Jahre lang lernte ich, zuhören. Fragen stellen. Menschen darin begleiten, sich selbst klarer zu werden.
Dann wagte ich den Sprung – als alleinerziehende Mutter mit drei Kindern.
Der erste Klient saß mir gegenüber, und ich hatte alles vorbereitet, was ich vorbereiten konnte. Einen Fragenkatalog im A5-Format, ausgedruckt wie ein Spickzettel. Doch wie in der Schule gilt auch hier: Je gründlicher man ihn ausarbeitet, umso weniger braucht man ihn.
Das Gespräch nahm seinen Lauf. Ich stellte Fragen, notierte Schlüsselworte, wiederholte das Gehörte mit eigenen Worten. Irgendwann sah ich auf die Uhr – und merkte, dass ich gar nicht mehr auf sie geschaut hatte.
Mit jedem weiteren Klienten wuchs die Sicherheit. Ich lernte, den Zeitrahmen loszulassen, das Gespräch zu Ende kommen zu lassen, wenn es soweit war. Ich sah, wie Menschen „größer“ hinausgingen, als sie gekommen waren. Sie fanden Entscheidungen, Klarheit, neue Wege.
Ich hatte den besten Beruf der Welt gefunden.
Das war vor fast 30 Jahren. Ich bin noch heute selbständig – und noch heute angefragt.
Nicht weil der Weg einfach war. Sondern weil ich ihn gegangen bin, auch wenn ich nicht wusste, wohin er führt.
Vielleicht kennst du dieses Gefühl. Den Moment, in dem du weißt, dass du etwas verändern musst – aber noch nicht weißt wie.
Genau davon handelt mein Buch.
Von diesem Weg. Mit allem, was dazugehört.
0 Kommentare