Mach’s wie Klara.
Klara merkte, in welcher schweren Krise ihr Vater steckte. Deshalb hat sie ihm mein Coaching empfohlen und er hat den Mut gefasst, zu kommen. Die folgende Geschichte zeigt, wie aus einer scheinbaren Kleinigkeit eine lebensverändernde Entscheidung wurde.
„Können Sie mich dabei unterstützen“, fragte er, „ich muss meine Präsentationen verbessern. Ich muss häufig unsere Projekte vor Gremien vorstellen und ich habe den Eindruck, dass das besser laufen könnte. Im Klartext, wir bekommen häufiger den Auftrag nicht.“ Der Klient, ein Mann in den mittleren Jahren, war zusammen mit einem Kompagnon Inhaber eines mittelständischen Betriebs. Um seine Präsentationen praktisch üben zu können, hatte er Pläne und Skizzen mitgebracht. Sie füllten die beiden dicken Aktenkoffer, die er neben sich abstellte.
„Bevor wir beginnen“, schlug ich vor, „lassen Sie mich erst einmal etwas über Ihre Firma wissen. Was tun Sie und womit machen Sie Ihre Geschäfte? Was ist das Ziel Ihrer Präsentationen und wer entscheidet letztendlich, ob Sie den Zuschlag bekommen?“ Mein Klient war damit einverstanden und beantwortete zunächst bereitwillig meine Fragen. Doch dann kam er ins Stocken. Er wirkte mehr und mehr bedrückt und sprach immer leiser. Irgendetwas musste hinter dem ursprünglich genannten Thema stecken. In der Hoffnung, die Bewegung würde ihn auflockern, schlug ich einen Spaziergang vor. Er war einverstanden.
Den Weg zum See ging er schweigend neben mir. Doch hin und wieder stieß schwungvoll, fast wütend einen Stein mit dem Fuß weg. Am Ufer wählten wir eine Bank und schauten den Booten nach. Plötzlich deutete er auf ein Motorschiff, das einen Kahn nach sich zog. „Genauso fühle ich mich“, brach es aus ihm heraus. Ich bin derjenige, der dafür sorgt, dass der Laden läuft und mein Kompagnon macht sich einen schlanken Fuß. Auch glaube ich, dass er Geld aus der Firma abgezweigt hat. Nur beweisen kann ich es nicht.“
„Wenn Sie die Wahl hätten, ohne über die Konsequenzen nachzudenken, was würde Sie gerne tun?“ Die Antwort kam spontan: „Das Seil kappen. Alleine weiterfahren. Aber das geht wohl nicht.“ Ich ging auf diesen Einwand nicht ein und schlug vor, mögliche Problemlösungen gedanklich durchzuspielen. Er willigt ein. Zuerst überlegten wir, ob die Betrugssache aus der Welt geräumt und das Vertrauen wieder hergestellt werden könnte. Wir gingen die Option durch, wie er mit seinem Partner zu einer neuen Arbeitsaufteilung kommen könnte. Wir entwickelten Szenarien, wie er und sein Kollege getrennte Wege gehen könnten und wie sich das auf ihre gemeinsame Zukunft und die ihres Unternehmens auswirken würde.
Und wir suchten nach Strategien, wie er sein Geschäft wieder ankurbeln könnte, um das Überleben der Firma zu sichern. Dann bat ich ihn, Symbole zu suchen für die einzelnen Lösungen. Er wählte einen Ast, einen Tannenzapfen und ein Schneckenhaus. Nach längerem Suchen fand er auch eine Feder. Nacheinander nahm der die Gegenstände in die Hand und spürte nach, welche der Möglichkeiten für ihn am gangbarsten schien. Die Leichtigkeit der Feder war es. Er entschied sich für die Trennung von seinem Kompagnon. Diesen Vorschlag wollte er ihm machen, denn der Betrug hatte die gemeinsame Arbeitsbasis für immer zerstört. Mit der Entscheidung schien eine Zentnerlast von ihm abzufallen. Seine fahrigen Hände wurden ruhiger, seine Gesichtszüge entspannter. „Lassen Sie uns noch dieses Gespräch vorbereiten“, bat er mich. „Ich will sicher sein, das Richtige zu sagen und eine Trennung einzuleiten, die beide akzeptieren können.“
Zurück im Beratungsraum präzisierten wir die Ziele, die er mit diesem Gespräch zu erreichen suchte, trugen Argumente zusammen, fragten uns, auf welche Reaktionen seines Gesprächspartners er sich einstellten musste, und entwickelten so ein Konzept, mit dem er sich gut gerüstet fühlte für diesen wichtigen Schritt. „Ich habe eine innere Klarheit gefunden und kann jetzt ganz anderes auftreten“, so sein Kommentar.
Kurz bevor er sich verabschiedete, sagte er, ohne mich anzusehen, mit erstickter Stimme: „Wenn ich gewusst hätte, dass das Coaching ist, wäre ich früher gekommen. Ich sah keine Hoffnung mehr, die Firma noch retten zu können. Ich hatte schon meine Lebensversicherung zur Hand genommen und ausgerechnet, wie lange diese Summe für meine Frau und die Kinder reichen würde.“ Er wurde still. „Aber das wäre ja auch keine Lösung gewesen.“ Er schluckte und wischte sich mit dem Handrücken über die Augen.
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