Wer glaubt, der Intelligenzquotient und das Fachwissen seien ausschlaggebend für den Erfolg im Leben, liegt falsch. Viel wichtiger ist die emotionale Intelligenz, sie liegt in ihrer Bedeutung mit rund zwei Dritteln vor den beiden anderen Faktoren. Emotionale Intelligenz ist auf der einen Seite die Fähigkeit, seine eigenen Gefühle wahrzunehmen und zu steuern, sich zu motivieren und sich Ziele zu setzen, auf der anderen Seite, empathisch zu sein und in der Lage, sozial und kommunikativ mit anderen Menschen zu agieren.

Wir lernen von früh an, unsere Gefühle nicht zu beachten: „Stell dich nicht so an.“…“Ein Indianer kennt keinen Schmerz.“… „Du bist ganz schön zimperlich.“ Mehr und mehr spalten wir so unsere Gefühle ab, wir vertrauen unserem Kopf, anstatt auf unseren Bauch zu hören. Wenn wir nicht gegensteuern und aufkommende Gefühle mit Medikamenten oder Alkohol betäuben, sind Burnout, Depression, innere Kündigung oder körperliche Erkrankungen unweigerlich die Folge.

Es ist an der Zeit, wieder zu lernen, unsere Gefühle wahrzunehmen, denn sie sind der Wegweiser dafür, was uns gut tut und was nicht. Wenn wir wissen, welche Botschaften uns die Gefühle vermitteln wollen, können wir entscheiden, wie wir damit umgehen. Gefühle äußern sich in Körperempfindungen. Lass uns einige wenige Gefühle herausgreifen:

Wo in deinem Körper empfindest du Angst?
Wo in deinem Körper empfindest du Freude?
Wo in deinem Körper empfindest du Wut?

Zwar empfindet jeder Mensch anders, doch gibt es einige gängige Symptome.

Die Angst lässt dich einen Druck im Magen oder auf der Brust spüren, sie macht eng, du bekommst feuchte oder schwitzende Hände, einen schnellen Puls, rasende Gedanken oder einen Tunnelblick.

Die Freude hingegen macht weit und leicht, du möchtest die Welt umarmen, hast Schmetterlinge im Bauch, bist tatendurstig und gut gelaunt.

Die Wut zeigt sich in Verspannungen in Schultern und Nacken, du beißt am Tag oder auch nachts die Zähne zusammen, bekommst Kopfschmerzen, braust unberechenbar auf, kaust an den Fingernägeln oder zupfst dir die Augenbrauen aus.

Gefühle kannst du nur wahrnehmen, wenn du hin und wieder ruhig wirst und in Gedanken durch deinen Körper wanderst. Sorge nicht mit unentwegter Geschäftigkeit, einem vollen Terminkalender und ständiger Beschallung dafür, dass diese Signale nicht in dein Bewusstsein dringen. Sei es dir wert, mit deinen Gefühlen zu kommunizieren und sie ernst zu nehmen. Was spürst du? Wo?

Gefühle fordern zum Handeln auf:

Ein Grummeln im Bauch vor dem Autokauf? – Lass es.
Weiche Knie vor einer Präsentation? – Bereite dich gut vor.
Du kannst es kaum erwarten, diese Aufgabe anzugehen? – Hier liegt deine Stärke.

Nicht immer ist es möglich, sofort entsprechend den Gefühlen zu handeln. Die Wut auf den Chef kannst du nicht auslassen. Doch immerhin sollest du dir eingestehen, wie sehr du durch seinen Ausbruch verletzt bist und dich fragen, welche Möglichkeiten du hast, um solche Situationen nicht wieder erleben zu müssen.

Wir sind unseren Gefühlen nicht ausgeliefert, wir können lernen, sie zu steuern. Niemand sollte sagen, „So bin ich eben“. „Wenn ich sauer bin, ziehe ich mich zurück.“ „Wenn mir etwas nicht in den Kram passt, werde ich laut.“

Selbstkontrolle ist ein wichtiger Aspekt der emotionalen Intelligenz. Wenn du in der Lage bist, deine Gefühle zu steuern, hast du ein wirkungsvolles Werkzeug, störende Emotionen und Impulse in Schach zu halten. Dann gelingt es dir, auch in kritischen Situationen gelassen zu agieren, Beziehungen durch negative Reaktionen nicht zu schädigen und so einen vertrauenswürdigen und selbstbewussten Eindruck zu machen.

Nehmen wir an, du zweifelst an dir, fühlst dich klein und unwichtig. Je mehr du dich diesem Gefühl hingibst, desto mehr wirst du dich von anderen zurückziehen, ein Teufelskreis beginnt. Um dich aufzubauen, solltest du dich nicht mit anderen vergleichen, denn das ist heutzutage gerade mit den sozialen Medien leider das „effektivste“ Mittel, sein Selbstwertgefühl zu untergraben. Mach dir bewusst stattdessen, was dir schon gelungen ist im Leben, und wenn es kleine Schritte sind. Schau nach dem, was dir an deinem Körper, deiner Art gefällt. Lerne auf das achten, was dich stärkt und nicht, was dich herunterzieht. Das kann das Lächeln oder das freundliche Wort einer Person sein, ihre Hilfsbereitschaft oder die kleinen Zeichen der Freundschaft.

Wenn die Wut dich übermannt und du dir gewöhnlich mit einem lautstarken Ausbruch Erleichterung verschaffst, solltest du lernen, auf verträgliche Weise damit umzugehen. Entferne dich aus der Situation, wenn du im Augenblick nicht in der Lage bist, dein Temperament zu zügeln. „Ich bin total wütend. Lass uns später darüber sprechen.“ Atme durch. Suche einen Ort auf, an dem du deine Wut loslassen kannst. Schrei dort, wenn dir danach ist, bearbeite ein Kissen. Bewege dich, renn um den Block oder im Treppenhaus rauf und runter. Dann aber mach dir bewusst, warum ein Verhalten, ein Satz, ein Vorkommnis dich so antriggern. Hier liegt die Lösung für eine positive Änderung. Wenn du dann mit dem anderen wieder ins Gespräch gehst, suche Formulierungen, mit denen du ausdrücken kannst, dass dich etwas wütend macht und warum und wie in deinen Augen eine Lösung aussehen kann.

Foto: fotolia© nicmac.ca

***************************************************************

Wenn du meine Coachingtipps in Zukunft haben möchtest, dann melde dich hier an. So erfährst du von meinen neuen Artikel und Videos und von meinen Angeboten. Der Newsletter ist kostenlos, unverbindlich und jederzeit auch wieder abzubestellen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

[ga_optout]