Wir leben in einer Zeit der ständigen Verbesserungen. Dies betrifft nicht nur Produkte und Dienstleistungen, sondern auch die eigene Person. Wir sind aufgefordert, immer schneller und effizienter zu arbeiten, unseren Körper in eine optimale Form zu bringen oder unsere berufliche Performance zu steigern. Selten bekommen wir zu hören, dass wir in Ordnung sind, wie wir sind. Kein Wunder, wenn in einem solchen Umfeld das Selbstwertgefühl schrumpft. Ein Mangel an Selbstwertgefühl aber wirkt sich aus. Wir mögen uns selbst nicht leiden, werden unsicher und haben kein Selbstvertrauen. Und bekommen dadurch auch Probleme in beruflichen und privaten Beziehungen.

Wer heute 40 Jahre alt ist, hat in seinem Leben schon viel Kritik einstecken müssen und erfahren, dass es wenig Grund gibt, stolz auf sich zu sein. Wenn wir Glück haben, wurden wir als kleine Kinder von unseren Eltern oft noch überschwänglich gelobt für jede Kritzelei oder den ersten unbeholfenen Purzelbaum, doch bald weht ein anderer Wind. Die Anforderungen steigen.

In der Schule ist das Heft übersät mit roter Schrift, denn der Lehrer markiert unsere Fehler an und nicht den guten Ansatz oder eine gelungene Formulierung. Im Berufsleben kommt selten ein Lob, denn hier gilt der (schwäbische) Grundsatz “Nit gschwätzt isch globt gnug”! Von außen werden wir also selten Nahrung bekommen, unser Selbstwertgefühl aufzubauen. Wir brauchen einen anderen Weg. Einen, der uns unabhängig macht von der Rückmeldung anderer. Denn Selbstwertgefühl ist etwas sehr Persönliches. Es ist das, was ich selbst über mich denke und für mich empfinde und nicht etwas, was eine andere Person über mich denkt und für mich empfindet.

Was also kannst du tun, um dein Selbstwertgefühl aufzubauen?

Dir deine eigenen Stärken bewusst machen
Jeder Mensch hat seine starken Seiten, es gilt sie bewusst zu machen und zu würdigen. Fertige eine Liste an, um niederzuschreiben, was du kannst, gelernt hast, worin du gut bist. Aber nicht nur das. Auf diese Liste gehören auch Eigenschaften, körperliche Vorzüge und die Besonderheiten deines Umgangs mit der Natur, anderen Menschen oder Tieren. Also dein grüner Daumen, dein Einfühlungsvermögen, deine Beobachtungsgabe oder deine strahlenden Augen. Du findest nur wenig? Vielleicht geht es dir wie einer meiner älteren Seminarteilnehmerinnen, die nach langem Überlegen ‚Zopf backen‘ notierte und dann nur noch den Kopf schüttelte, weil sie nichts mehr zu schreiben wusste. Eine solche Blockade bedeutet nicht, dass du keine Stärken hast, sondern nur, dass das Wissen um sie verschüttet ist. Grabe und du wirst fündig werden. Lass die Liste griffbereit liegen und ergänze jedes Mal einen Punkt, wenn du im Alltag erkennst: Ja, das ist auch eine meiner Stärken! Zur Erweiterung deiner Liste solltest du auch Menschen fragen, mit denen du in Kontakt bist. Lass dich überraschen, welche Stärken diese an dir schätzen. Oftmals sind dies Dinge, an die du gar nicht gedacht hast.

Eine solche Liste, ob auf Papier oder im PC, ist übrigens ein gutes Polster für stürmische Zeiten, wenn du dich selbst wieder einmal für wertlos hältst oder dir herbe Kritik entgegenschallt. Mit der Liste relativiert sich alles. Du siehst, dass du trotz der Dinge, die du vielleicht falsch gemacht hast, immer noch in weiten Teilen ok bist.

Eigenschaften selbst bewerten
Jede Eigenschaft kann positiv oder negativ gesehen werden. Wichtig ist, dass wir uns selbst prüfen, wie wir bewerten, wie wir sind und was wir tun. So findet z.B. jemand, dass er gut mit Geld umgehen kann und seine Ausgaben sorgfältig prüft. Für einen Außenstehenden kann das schon Geiz sein. Oder jemand kann abwarten, bis sich die Dinge entwickeln, ein anderer rügt dieses Verhalten als Engelsgeduld.

Der Tipp, den persönlichen Eigenschaften eine eigene Bewertung zu geben, heißt allerdings nicht, dass wir jegliche Rückmeldung von anderen in den Wind schlagen sollen, sondern nur, sich nicht sofort der Interpretation anderer anzuschließen. Es kann auch ein Zeichen der Stärke sein, die Rückmeldung in die eigene Bewertung miteinzubeziehen.

Erfolge feiern
In einer Coachinggruppe gab ich meinen Teilnehmerinnen einmal die Aufgabe, jeden Tag etwas zu notieren, was gelungen war. Zu meiner Überraschung kamen einige mit leeren Blättern wieder: „Bei mir war nur Alltag, da gab es nichts Besonderes aufzuschreiben.“ Eine Diskussion um Erfolg schloss sich an. Offensichtlich hatten meine Teilnehmerinnen wie sehr viele Menschen die persönliche Latte für Erfolg sehr hoch gelegt. Ist Erfolg nur, wenn mir etwas Großartiges gelingt? Wenn ich eine Präsentation vor dem Vorstand mache und der in Jubel ausbricht? Oder wenn ich ein Buch geschrieben, ein großes Fest ausgerichtet oder eine hohe Summe verdient habe? Nein. Erfolg ist alles, was mich weiterbringt auf dem Weg zu meinen Zielen. Das kann die Erkenntnis sein, dass es mir heute gelungen ist, meine Kritik angemessen zu äußern, dass ich heute rechtzeitig Pause gemacht habe oder heute herausgefunden habe, wo ich eine wichtige Information finden kann.

Auf den Vergleich mit anderen verzichten
Eine sehr effektive Methode, das eigene Selbstwertgefühl zu untergraben, ist der Vergleich mit anderen. Frauen prüfen mit schnellem Blick: Wie sieht die andere aus? Ist sie schlanker, attraktiver, mehr umworben vom anderen Geschlecht? Männern konkurrieren auf eine andere Weise: mein Haus, mein Auto, mein Umsatz. Mit solchen Vergleichen schaffen wir es immer, uns auf irgendeine Weise unterlegen zu fühlen.

Viel aufbauender und wirksamer ist, sich zu vergegenwärtigen, welchen Zuwachs an Wissen und Erfahrung wir im Laufe der Zeit gewonnen haben. Wie war es, als ich am neuen Arbeitsplatz angefangen habe? Damals musste ich viele Fragen stellen und heute beherrsche ich die Abläufe im Schlaf. Welche Befürchtungen hatte ich damals, als ich mein erstes Kind in den Armen hielt und keine Ahnung hatte, wie man damit umgeht? Heute kann ich darüber lachen.

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Ich bin ich. In der ganzen Welt gibt es niemanden, der genauso ist wie ich. Es gibt Menschen, die mir in gewissen Zügen ähneln, aber im Endeffekt ist niemand genauso wie ich. Deshalb ist auch alles, was ich erschaffe, meine Schöpfung, weil ich allein es so gewollt habe.
Virginia Satir

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Unter Downloads findest du eine Liste mit Fragen und Eigenschaften, die dir helfen, deine eigenen Stärken zu entdecken.

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2 Kommentare

  1. Stephan Wießler

    Schöner Artikel, zu dem ich noch etwas ergänzen möchte. Um sein Selbstvertrauen aufzubauen gehört vor allem noch eins dazu: Dranbleiben! Niemals aufgeben und weiter machen!

    Beste Grüße,

    Stephan Wießler

  2. Toller Artikel! Ich kann mich dem vorherigen Kommentar nur anschließen! Um sein Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen aufzubauen ist Übung und Durchhaltevermögen angesagt! Liebe Grüße, Alexander

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