TagebuchMorgenseiten oder Tagebuch?

Wer lernen möchte, mit einer schwierigen Situation umzugehen, oder die Lösung sucht für ein Problem, findet in den Morgenseiten eine hilfreiche Unterstützung. Ich verdanke den Morgenseiten die besten Impulse für meine Arbeit und viele meiner Seminarteilnehmer und Coachingklienten wenden sie inzwischen begeistert und mit Erfolg an.

Klara: Was genau sind denn Morgenseiten?

Coach: Morgenseiten verdanken ihren Namen dem Zeitpunkt des Schreibens.

Gleich nach dem Aufwachen, am besten noch im Bett und bevor man etwas anderes tut, beginnt man mit den Aufzeichnungen. Und das drei Seiten lang, ohne den Stift abzusetzen. Es kommt weder auf die Rechtschreibung, noch auf die Zeichensetzung oder auf die Formulierung an. Viel wichtiger ist es, den Stift am Laufen zu halten. Wenn wir es zulassen, schreibt es von innen heraus von ganz allein.

Klara: Braucht man dazu besondere Materialien?

Coach: Nein, nur einen Stift und Papier. Beides sollte aber praktisch in der Handhabung sein. D.h. am besten ist ein Block mit einem stabilen Einband, ein Spiralblock im Format DIN A4 vielleicht, dessen Seiten sich bequem umklappen lassen. Der Stift sollte leicht über das Papier gleiten und keine Anstrengung bedeuten. Sonst bremst er den Ideenfluss.

Klara: Kann man auch mit dem Computer schreiben? Das würde mir leichter fallen.

Coach: Theoretisch schon. Aber man weiß, dass es eine besondere Verbindung von Kopf und Hand gibt, die das Ganze effektiver macht.

Klara: Drei Seiten sind viel. Da braucht man doch bestimmt ziemlich lang.

Coach: Die Zeit, die hier investiert wird, lohnt sich. Mit ein bißchen Übung braucht es meist nicht mehr als 15 – 20 Minuten.Die Belohnung ist größere Klarheit und eine Fülle guter Ideen.

Klara: Was ist, wenn mir gar nichts mehr einfällt?

Coach: Bevor ich darüber nachdenke, welches mein neues Thema sein kann, sollte ich schreiben, was mir im Moment durch den Kopf geht oder was ich draußen oder innen wahrnehme. Z.B.: Vor dem Haus fährt ein LKW, das ist die Müllabfuhr…oder: Meine Nase juckt…oder: Warum mache ich bloß diese blöde Übung? Durch das Weiterschreiben bleibe ich im Fluss und garantiert kündigt sich bald darauf ein neues Thema an, das festgehalten werden will.

Klara: Warum gerade morgens?

Coach: Der Zeitpunkt ist wichtig. Gleich nach dem Aufwachen befinden wir uns in einem besonderen Zustand. Wir sind entspannt und haben Zugang zu unserem Inneren. Morgenseiten zapfen die Quelle unseres unbewussten Wissens und unserer Kreativität an.

Klara: Was mache ich mit meinen Aufzeichnungen?

Coach: Im Grunde ist es gar nicht nötig, sie später noch einmal zu lesen. Sinn und Zweck des Aufschreibens ist es, seine Gedanken zu klären und sein Inneres auf kommende Ereignisse im konstruktiven Sinn auszurichten. Trotzdem kann es spannend und auch nützlich sein, das Geschriebene später noch einmal zur Hand zu nehmen und durch die Lektüre zu erfahren, welche Auswirkungen es hatte, sich in die Zukunft gewandt gedanklich mit dem eigenen Leben zu beschäftigen.

Klara: Ist das der Unterschied zum Tagebuch?

Coach: Genau. Mit dem Tagebuch setzt man sich meistens am Abend hin, notiert, was man erlebt hat, reflektiert und bewertet es. Dies hilft zur Bewältigung der Vergangenheit. Die Morgenseiten hingegen beschäftigen sich mit der Zukunft. Denn nur hier habe ich Einfluss auf kommende Ereignisse. Angenommen, es steht ein unangenehmes Gespräch mit meinem Chef an. In den Morgenseiten halte ich fest, was ich mir von diesem Gespräch erhoffe, aber auch, was ich befürchte. Ich frage mich schriftlich, wie ich es gestalten kann und richte so mein Inneres auf die Situation aus. Auf diese Weise habe ich große Chancen, in der Realität, also im Gespräch selbst, mich entsprechend zu verhalten.

Klara: Sie haben gesagt, man schreibt einfach auf, was einem in den Sinn kommt. Gibt es noch andere Ansätze für Morgenseiten?

Coach: Ich könnte mir z.B. eine Frage stellen, für die ich eine Antwort benötige und hören, was mein Inneres dazu sagt. Z.B.: Welchen Vorteil hätte es, die Stelle zu wechseln? Oder: Wie könnte der Titel meines Buches heißen? Besonders wirksam ist es, sich seine Frage bereits abends vor dem Einschlafen zu stellen. Dann hat das Unbewusste in der Nacht Zeit, sich damit zu beschäftigen. Wichtig ist, sich von den Anregungen am nächsten Morgen überraschen zu lassen und offen zu bleiben. Die Antworten also nicht schon vor dem Niederschreiben zu bewerten.

Eine andere Möglichkeit ist, die Stimmen meines Inneren Teams festzuhalten. Sich in einer kniffligen Situation bewusst zu machen, welches Durcheinander in meinem Inneren herrscht und daraus eine hilfreiche Unterstützung zu formen. Ein Beispiel: Wer sich selbständig gemacht hat, kennt die Sorgen, die schwankende Einkünfte mit sich bringen. Sich ihnen auszuliefern, bedeutet, in einen Strudel der Angst zu geraten. Besser ist es, genau hinzuhören, welche meiner inneren Stimmen außer der Angst noch einen Beitrag zur Diskussion leisten möchten. Dies kann die Stimme der Mutigen sein, der Unternehmerin, der Kreativen, der Zuversichtlichen, der Finanzverantwortlichen…

Anschließend schreibt man auf, was diese Stimmen zur aktuellen Lage zu sagen haben und fragt danach, wie sie das Problem beheben könnten. Vielleicht kommen am Ende sogar Sätze heraus, die als stärkende Affirmationen dienen können. So lassen sich wertvolle Impulse zur Bewältigung von schwierigen Situationen gewinnen. Wir tragen dadurch Sorge dafür, dass die Stimme der Angst nicht die Oberhand gewinnt. Und gestalten gleichzeitig aktiv unser Leben.

Zusammenfassung
Morgenseiten zu schreiben bedeutet:

  • Gleich nach dem Aufwachen loszuschreiben
    • Drei DIN A4-Seiten
    • Fließen lassen, den Stift nicht absetzen
    • Aufschreiben, was kommt

Die Morgenseiten gehen auf die Schriftstellerin Julia Cameron zurück. Sie hat diese Methode in ihrem Buch „Der Weg des Künstlers im Beruf“ beschrieben. Mit dem Begriff Künstler sind alle gemeint, die ihre Kreativität steigern wollen und die somit zum Lebenskünstler werden.

 

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4 Kommentare

  1. Hallo Ursula,
    erst mal finde ich es eine tolle Idee, die Artikel so aufzulisten. So hat man eine wunderbare Übersicht und kann direkt auf den Titel klicken, der einem im ersten Moment anspringt.

    Und mir sind die MorningSeiten förmlich ins Gesicht gesprungen, weil ich nicht viele kenne, die diese Methode so beschreiben. Ich kenne es direkt aus den Büchern von Julia Cameron, und wie es immer so ist, eine Zeitlang mache ich es, eine Zeitlang wieder nicht.

    Aber jetzt die Beschreibung, wieso man es machen sollte und wieso es wichtig ist, es morgens zu schreiben, hat wieder etwas in mich aufgerüttelt.
    Und es ist wohl tatsächlich so, wenn man es eine Weile macht, wenn man es sich zu einem Ritual macht, dann merkt man erst die Früchte, die man dadurch ernten kann.

    Werde direkt einen Block und einen Stift neben mein Bett legen, bevor ich schlafen gehe.

    Danke fürs Erinnern.
    Gruß
    Ildikó Varga

  2. Hallo Ildiko,

    danke erst mal für Deine schöne Rückmeldung.

    Mir haben die Morgenseiten schon oft geholfen, Ziele neu zu definieren und herauszufinden, wie ich dort hin komme. Ich halte mich dabei strikt an die drei Seiten und es ist erstaunlich, was dann, wenn ich dachte, es käme nichts mehr, noch auftaucht und geschrieben werden will.

    Es gibt Zeiten, in denen ich sehr regelmäßig schreibe und solche, in denen das nicht so nötig ist. In den vergangenen Jahren sind immerhin 15 dicke DIN A4-Blöcke zusammengekommen, in denen gerne stöbere und mich freue/ wundere, was so alles sich entwickelt hat.

    Vielleicht berichtest Du bei Gelegenheit über Deine Erfolge und Erkentnisse. Ich würde mich freuen.

    Herzlichen Gruß
    Ursula

  3. Hallo,
    ich finde diese Idee grandios. Allerdings muss ich zugeben, hält mich das Format ab. Wenn man im Web liest, ist es ja umstritten, einige schwören auf A4, andere sagen, hauptsache man schreibt.
    Ist es nicht egal, ob ich 3 A4 Seiten oder 6 A5 Seiten beschreibe?
    Auf mich wirkt beim Schreiben die Größe des A4 Blattes demotivierend und ich schreibe dann doch lieber auf eng lieniertem A5.
    Was meint Ihr?
    LG

    • Hallo Ulrike,

      ganz recht, es geht in erster Linie darum, überhaupt zu schreiben, deshalb halte ich das Format nicht für die ausschlaggebende Entscheidung.
      Beginnen Sie ruhig mit einer A5-Kladde und geben Sie sich selbst die Chance, etwas zu Papier zu bringen. Vielleicht beginnt es zu fließen und es werden vier Seiten. Wenn nicht, dann nicht.
      Ich habe über Jahre hinweg fast täglich geschrieben und mir dadurch vieles bewusst gemacht, Pläne aufgestellt, Ziele erreicht und Lösungen schriftlich durchgespielt. Heute schreibe ich punktuell, wann immer ich meiner inneren Stimme Gehör beschaffen will.
      „Regeln“ sind nicht dazu da, sie sklavisch einzuhalten, sondern den eigenen Bedingungen anzupassen. In diesem Sinne: Ran ans Papier und den Stift.
      Lassen Sie sich überraschen. :-)

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