„Das hab ich mir bei ….geholt, war total billig“, brüstet sich die junge Frau, als sie auf ihre neue Bluse angesprochen wird. „Hat nur 5 Euro gekostet.“ Fünf Euro für eine Bluse. Wie kann das gehen? Die Baumwolle muss angebaut, gewässert und geerntet werden. Der Stoff gewoben, gefärbt und zugeschnitten. Irgendjemand muss die Teile zusammennähen, sie verpacken und verschicken. Fünf Euro – und trotzdem wird noch ein Geschäft gemacht.

Nachdem ich den Film ,The True Cost – Der Preis der Mode’* gesehen habe, ist es mir ein Anliegen, darauf aufmerksam zu machen, wer den Preis für die billige Kleidung in westlichen Läden zahlt.

Es sind die Näherinnen in den großen Weltfabriken in Fernost und Mittelamerika. Sie arbeiten unter katastrophalen Bedingungen und massivem Druck, werden zu Überstunden gezwungen und mehr als schlecht bezahlt. Krankheit kann sich keine von ihnen leisten, denn dann gibt es Lohnabzug, wird sie schwanger, bekommt sie die Kündigung. Die Forderung nach einer angemessenen Entlohnung wird mit physischer Gewalt beantwortet, Schläge gegen Brust und Unterbauch sind an der Tagesordnung. In Kambodscha gab es Tote, weil die Polizei mit Waffengewalt gegen die Demonstranten vorging. Für die Gebäude, in denen die Näherinnen arbeiten, gibt es keine Sicherheitsstandards. Immer wieder kommt es zu dramatischen Unfällen mit Toten. Der Schlimmste ereignete sich 2013 in Sahbar nahe der Hauptstadt Dhaka, als 1127 Menschen unter den Trümmern der einstürzenden Fabrik Rana Plaza begraben wurden.

Und warum das alles? Damit wir in Nordamerika und Europa uns ständige neue Kleidung kaufen können zu einem Preis, der so niedrig ist, dass man sich jede Saison unzählige Teile „holt“ und alte auf den Müll wirft.

Heute konsumieren wir 500% mehr Kleidung als noch vor zwanzig Jahren. In den USA wurde noch in den 90er Jahren 95% der Kleidung im eigenen Land hergestellt, heute sind es noch 3%, weil die Produktion in Länder ausgelagert wurde, wo es möglich ist, niedrigste Löhne auszuhandeln. Die Fakten mögen für Europa etwas anders aussehen, aber auch wir haben hier ein Sterben der Textilbranche erlebt – aus genau den gleichen Gründen.

Doch damit nicht genug. Nach der Ölindustrie ist die Modebranche für die meiste Umweltverschmutzung verantwortlich. Damit die Baumwollfelder profitabel sind, werden sie gedüngt, mit Pestiziden behandelt, bis der Boden nichts mehr hergibt. Riesige Wassermengen sind zur Bewässerung nötig in Ländern, deren Bevölkerung am Verdursten ist. Flüsse und der Boden in Indien werden verseucht durch die Abwässer der Lederindustrie, die sich ungefiltert ergießen. Die für die Gerberei notwendigen Chemikalien machen die Menschen krank, im Umfeld der Fabriken werden reihenweise stark behinderte Kinder geboren. Die Betroffenen  können sich keinen Arzt oder keine Medikamente leisten. Weggeworfene Kleidung dünstet noch lange Zeit Chemikalien aus, sie bleibt rund 200 Jahre auf Halde liegen, weil sie nicht verrottet.

„Ich werfe meine ausgedienten Kleidungsstücke nicht weg“, werden Sie vielleicht einwenden, „ ich spende sie für einen guten Zweck.“ Das hört sich sehr positiv an. Nur wird inzwischen so viel Kleidung gespendet und z.B. nach Afrika geschickt, dass  auch dort die heimische Textilproduktion zusammengebrochen ist. Also auch keine Lösung.

Brauchen wir so viel Kleidung? Nein. Das wird von uns von der Branche, von Zeitschriften suggeriert, denn sie wollen verkaufen, Umsatz machen, ihre Gewinne maximieren. Und dafür sollen wir sorgen, die Kunden. Es gibt nicht mehr nur vier Kollektionen im Jahr – Frühling, Sommer, Herbst und Winter – die Industrie überschlägt sich förmlich mit Neuheiten und Angeboten.

Ich will mit meinem Text nicht dagegen sprechen, sich schick anzuziehen und sich etwas Neues zu leisten. Doch sollte man

  • sich vor dem Kauf fragen, ob man das Teil wirklich braucht und wie oft man es tragen wird
  • sich im Geschäft erkundigen, wo die Kleidung hergestellt wurde. Die Bedingungen in Bangladesch, Kambodscha, Indien und China sind meist inakzeptabel.
  • bei diesen Herkunftsländern auf einen Kauf verzichten und im Geschäft auch deutlich sagen warum. Die Macht des Kunden nutzen.
  • Auf allzu modische Teile verzichten, denn die werden in wenigen Monaten in der hinteren Ecke des Kleiderschranks oder gleich auf dem Müll landen.
  • sich hin und wieder fragen, ob es nicht auch möglich ist, einen defekten Reißverschluss zu ersetzen, einen Saum zu kürzen usw., bevor das Kleidungsstück ausrangiert wird.

Helfen Sie mit, diesen unsäglichen Kreislauf zu stoppen.

*The True Cost – Der Preis der Mode
USA 2015, 92 Min., dF und OmU,
Regie: Andrew Morgan

 

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