Die neuen Medien erleichtern das Leben. Sie liefern immer und überall Informationen, sie helfen, unseren Alltag zu organisieren, Einkäufe und Buchungen zu tätigen und sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Doch ihr Einfluss ist nicht nur positiv. Es wird Zeit, sich für einen bewussten Gebrauch digitaler Medien zu entscheiden.

1. Sind Sie die Marionette anderer?
Wer sein Smartphone immer eingeschaltet hat, fühlt sich mit der Welt verbunden. 88 Mal am Tag schaut ein Durchschnittsnutzer auf das Display. Auch wenn es nicht klingelt, piepst oder vibriert, fordert das Handy die Aufmerksamkeit seines Besitzers heraus. Die Angst, etwas zu verpassen, treibt ihn an. Ist eine Nachricht eingetroffen, erwartet der Absender eine sofortige  Reaktion. Die erste Frage, die man früher am Telefon stellte: „Wie geht es dir?“ wandelt sich heute zu „Wo bist du?“  Wir lassen es freiwillig zu, keine Privatsphäre mehr zu haben und  zum Spielball der Interessen der anderer zu werden. Mit nutzlosen Spielen füllen wir Wartezeiten und verlernen, unsere Gedanken auch einmal schweifen zu lassen.

Tipp: Bleiben Sie Herr/Frau Ihrer Zeit. Legen Sie fest, wann Sie für wen erreichbar sind und vergrößern Sie die Spanne medienfreier Zeit.

2. Das Kopf-unten-Syndrom
Körperhaltung und Stimmung gehen bedingen sich gegenseitig. Wenn Sie gut drauf sind, schauen Sie offen in die Welt. Sie gehen mit Ihrem Blick in Kontakt mit anderen. Wenn Sie aber missmutig und depressiv sind, halten Sie den Kopf gesenkt und kapseln sich ab. Nichts anderes passiert, wenn Sie ein Smartphone in Händen halten. Psychologen sprechen vom Head-Down-Syndrom und meinen damit einerseits die Belastung der Halswirbelsäule durch den ständig gesenkten Blick, andererseits aber auch die negative Wirkung auf unsere Stimmung.

Inzwischen häufen sich Unfälle, weil Menschen ähnlich wie Hans-guck-in-die-Luft Gefahren im Straßenverkehr nicht mehr realisieren und mit gesenktem Kopf in ihr Unglück laufen.

Tipp: Schränken Sie Ihren Handygebrauch unterwegs ein. Lassen Sie die Augen schweifen, nehmen Sie Ihre Umwelt mit allen Sinnen auf. Tanken Sie auf, indem Sie die Seele baumeln lassen.

3. Medien rauben uns den Schlaf
Wer beruflich viel am Bildschirm arbeitet, kennt gerötete Augen und den Kopfschmerz, der damit verbunden ist. Doch dass übermäßiger Medienkonsum auch zu dauerhaften körperlichen und seelischen Veränderungen führt, wissen die wenigsten. Augenärzte stellen fest, dass immer mehr Menschen an Kurzsichtigkeit leiden. Sogar Kinder sind davon betroffen, da der Umgang mit Unterhaltungselektronik in immer früherem Alter eine Selbstverständlichkeit ist. Wir werden ein Volk von Brillenträgern.

Für viele ist es eine Selbstverständlichkeit, auch im Bett noch zu chatten, Emails zu verschicken oder sich in den sozialen Netzwerken zu tummeln. Das blaue Licht des Displays verhindert die Ausschüttung von Melatonin, dem Schlafhormon, was zu schlechterem Schlaf, mangelnder Konzentrationsfähigkeit und Müdigkeit am folgenden Tag führt.

Tipp: Schalten Sie Ihre Medien spätestens um 21 Uhr ab und lassen Sie das Handy nicht auf dem Nachttisch liegen.

4. Das fehlende Herdfeuer
In früheren Zeiten gab es in den meisten Familien feste Zeiten, an denen man zusammenkam, sei es zu gemeinsamen Mahlzeiten oder zum Fernsehabend. Der Esstisch oder auch das Fernsehgerät waren so etwas wie das Herdfeuer, an dem man sich traf. Doch mit den digitalen Medien driften Familien auseinander. Die Abende verbringt jeder mit seinem eigenen Gerät. Die Tochter chattet, der Sohn liest in der Chronik bei Facebook, während die Mutter die Bankgeschäfte erledigt und der Vater Stellenanzeigen durchforstet. Wenn es hoch kommt, sitzen alle im gleichen Zimmer, Satelliten gleich, die nicht verbunden sind. Doch das Gespräch ist verstummt, Gemeinsamkeiten gibt es nicht mehr.

Tipp: Vereinbaren Sie Zeiten, an denen Sie die Handys ausschalten, um mit der Familie/ dem Partner ungestört zusammen zu sein.

5. Unterbrochene und flache Kommunikation
In der Nähe meines Hauses gibt es einen Kindergarten. Oft sehe ich die Mütter vorbeiziehen, die ihre Kinder dorthin bringen oder abholen. Doch bevor ich sie sehe, höre ich sie. Sie  telefonieren, während ihr Kind hinterherwackelt. Kommt man mit Freunden zusammen, liegt das Handy auf dem Tisch. Sobald es einen Laut von sich gibt, wird es zur Hand genommen. Paare sitzen in einem Lokal, jeder checkt Mails oder die Chronik. Die einzige Kommunikation besteht darin, sich ab und zu eines der lustigen Bilder zu zeigen, die im Display aufblinken.

Zwar sind wir mit Hilfe der digitalen Medien immer und überall in Kontakt, doch das steigert nicht die Qualität der Kommunikation. Viele Belanglosigkeiten werden ausgetauscht. Wir sind immer weniger in der Lage, uns wirklich auf ein Gegenüber einzulassen und ein gutes Gespäch zu führen.

Tipp: Suchen Sie, so oft es geht, den direkten, wertschätzenden  Kontakt. Der Mensch neben Ihnen verdient Ihre Aufmerksamkeit.

6. Verlorene Fähigkeiten
Als ich neulich in einem Supermarkt einkaufte, fiel der Strom aus. Die Kassiererin war hilflos, es gelang ihr nicht, einige Positionen handschriftlich zusammenzurechnen, so sehr hatte sie sich an die automatische Kasse gewöhnt. Aber auch Kunden sind oft nicht mehr in der Lage, im Kopf ihre Ausgaben zu überschlagen, um feststellen zu können, ob die Abrechnung  stimmt.

Wir verlassen uns auf das Navi, das Adressbuch, das Telefonregister und die Terminliste im Smartphone und sind aufgeschmissen, wenn die Batterie leer ist.

Wir vertrauen unserer eigenen Intuition und Problemlösungsfähigkeit nicht mehr, wenn wir die Hilfe von außen nicht zur Hand haben.

Tipp: Lassen Sie Ihre Fähigkeiten nicht verkümmern, sondern trainieren Sie sie. Überlegen Sie Antworten und Lösungen, bevor Sie eine Suchmaschine bemühen.

7. Die Illusion von Freundschaft
Wie viele „Freunde“  haben Sie in den sozialen Netzwerken? Wie viele von ihnen kennen Sie persönlich? Was wissen Sie über sie? Was verbindet Sie mit ihnen?
Der Begriff „Freund“ hat deutlich an Wert verloren, es ist nicht mehr der Mensch, den wir anrufen können, wenn es uns schlecht geht, der uns zur Seite steht, wenn wir Hilfe brauchen.

Zum großen Teil liegt das in der Art, wie wir über die digitalen Medien kommunizieren. Es geht hier um Kürze und nicht um Tiefe. Und auch darum, sich selbst so positiv wie möglich darzustellen, dem anderen die Schokoladenseite zu zeigen. Wir machen uns gegenseitig etwas vor.

In Freundschaften, die wir im wirklichen Leben schließen, sind wir „ganz“. Im direkten Kontakt nehmen wir Stimmungen wahr und sie so eher bereit, uns zu öffnen.

Tipp: Niemand kann unendlich viele Kontakte pflegen. Sie sind reich, wenn Sie drei oder vier gute, intensive Beziehungen haben. Interessieren Sie sich für Ihre Freunde im realen Leben und schränken Sie Ihre Zeit in den sozialen Netzwerken ein.

8. Die Ressourcen der Welt in einem Smartphone
Wer immer dem neuesten Modell nachjagt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass es von Menschen, oft von Kindern, unter ausbeuterischen Bedingungen gebaut wurde und darin wertvolle Ressourcen, vor allem Edelmetalle stecken, die aus Schwellen- und Entwicklungsländern stammen.
Sowohl der Bau als auch der Betrieb der Minen sind umweltschädlich. Wälder werden gerodet und viele Tonnen Gestein gesprengt, um an die Metalle zu gelangen. Um Edelmetalle aus Gestein zu lösen, werden giftige Chemikalien verwendet, die in Flüsse und Meere gelangen können. Und es ist der Reichtum dieser Länder, mit dem wir so verschwenderisch umgehen.

Tipp: Nutzen Sie Ihr Smartphone, Ihr Tablet oder Ihren Ebook-Reader möglichst lange und steigen Sie aus der Spirale aus, solche Hilfsmittel als Statussymbole zu sehen. Und wenn Sie sich ein neues Gerät kaufen wollen, verkaufen oder spenden Sie Ihr altes  oder führen es zumindest dem Recyclingkreislauf zu.

 

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