Ärger, WutSag es gleich, wenn dich etwas stört. Wenn du deinen Ärger nicht  ausdrückst, führt es oft zu unkontrollierten Reaktionsweisen. Kleine Ärgernisse werden zu größeren Problemen.

Klara: „Ich hatte mich in der letzten Zeit sehr oft über meine Kollegin geärgert. Immer wieder hatte sie unangenehmen Arbeiten mir zugeschoben, statt sie selbst zu erledigen.“
Coach: „Und dann?“
Klara: „Anfangs habe ich mir nichts dabei gedacht. Aber als es öfter passierte, bin ich wütend geworden.“
Coach: „Wütend?“
„Ja, ich bin leider ziemlich laut geworden und habe Dinge gesagt, die mir hinterher leidgetan haben.“
„Und jetzt?“
„Jetzt ist die Stimmung im Keller, d.h. wir reden nicht mehr miteinander. Dabei war ich doch wirklich im Recht.“
„In der Sache schon, aber nicht im Ton.“
„Aber ich kann mir doch nicht alles gefallen lassen!“
Coach: „Nein, es ist schon wichtig, auszusprechen, was einen stört und man anders haben möchte.
Doch es kommt auf den richtigen Zeitpunkt an. Ich will es dir an einem Modell zeigen, der Wutkurve“:

Wutkurve

„Stell dir vor, du kommst am Morgen an deinen Arbeitsplatz. Noch ist alles in Ordnung. Du hast gute Laune, der Hausmeister hat dir im Aufzug ein Kompliment gemacht. Doch dann siehst du, dass deine Kollegin Unterlagen auf deinen Schreibtisch gelegt hat, die sie eigentlich hätte gestern fertigmachen sollen. Du bist leicht verärgert, denkst dann aber, dass deine Kollegin vielleicht keine Zeit mehr hatte oder mit der Aufgabe nicht zurecht kam. Du  sagst also nichts, schluckst deinen Ärger und machst dich an die Arbeit. (Das ist das erste Kreuz auf unserer Kurve.)

Doch dann passiert es wieder. Weil du es aber beim ersten Mal nichts angesprochen hast, nimmst du es auch jetzt hin. (Das ist das zweite Kreuz auf der Kurve.)

Es geschieht wieder und so kommst du in eine Situation (Kreuz 3) die man die „Faust in der Tasche“ nennt. Denn du spürst, wie der Ärger in dir immer größer wird, doch deine Kollegin hat von alledem keine Ahnung. Sie geht davon aus, dass du damit einverstanden bist, unerledigte Aufgaben zu übernehmen.

Eins kommt zum anderen. Aus Ärger wird Wut, die sich entladen will. Die meisten Menschen kennen dafür drei Möglichkeiten:

Schweigetage: Man redet mit dem anderen nicht mehr, behandelt ihn wie Luft.
Verschieben des Konflikts: Man spricht nicht über die eigentlichen Ursachen der Wut, sondern bricht an anderer Stelle einen Streit vom Zaun. D.h. Man weist in deinem Beispiel das Unerledigte an die Kollegin nicht zurück und setzt keine Grenzen, sondern zerpflückt deren Vorschlag in der Teamsitzung.
Explosion: Das ist das, was du gemacht hast. Wie bei einem Dampfkochtopf entlädt sich die angestaunte Wut unkontrolliert, man ist verletzend und geht zum Gegenangriff über.

Bei keiner der drei Varianten wird der Konflikt tatsächlich angesprochen und seine Ursache bearbeitet. Zurück bleiben eine vergiftete Atmosphäre, Verletzungen und zerrüttete Beziehungen.“

Klara: „Soll ich mir denn alles gefallen lassen?“
„Nein, das nicht. Aber du solltest es beim ersten Mal ansprechen, wenn dich etwas stört. Da kannst du es noch in Ruhe und in angemessenem Ton tun.“
„Beim ersten Mal? Ich will ja auch nicht kleinlich sein und alles auf die Goldwaage legen. Dann sagen die anderen doch, ich sei empfindlich und solle mich nicht so haben.“
„Sobald du merkst, dass dir etwas gegen den Strich geht, du an eine Situation wieder und wieder denken musst, du dich ungerecht behandelt fühlst, ist es an der Zeit, darüber zu sprechen.  Dein Gefühl, dein Unbehagen ist der Maßstab dafür, nicht die Meinung der anderen.“

Zu diesem Thema gibt es einen Video-Coachingtipp: Die Wutkurve

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2 Kommentare

  1. Tolle Darstellung und Beschreibung der Wutkurve!
    Leider geschieht es viel zu oft, dass Probleme / Konflikte nicht direkt angesprochen werden. Das Problem dabei ist, dass das Gegenüber nicht Gedanken lesen kann :-)
    Ehrliche und ruhige Kommunikation ist das wichtigste Medium wenn es um zwischenmenschliche Beziehungen geht.

    Liebe Grüße,
    René Klampfer

  2. Danke :-)

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