Ob in der Familie, unter Freunden oder am Arbeitsplatz: Jeden Tag geben wir unseren Mitmenschen Rückmeldung darüber, wie wir sie erleben und sehen. Wir loben und sagen „Du bist ein guter Vater“ und hoffen, unser Partner möge sich über das Kompliment freuen und das erwünschte Verhalten beibehalten. Wir üben Kritik und sagen „Da hast du dich aber überhaupt nicht angestrengt“ und wollen, dass unser Kind sich das zu Herzen nimmt und mehr Einsatz zeigt. Doch nur, wenn das Feedback bestimmten Regeln genügt, wird es den Empfänger anregen, sein Verhalten zu überdenken und gegebenenfalls auch zu verändern.

Ein gutes Feedback…

…ist beschreibend und nicht wertend

Mit deiner Rückmeldung solltest du lediglich beschreiben, was du hörst oder siehst. Du hältst deinem Gegenüber gewissermaßen einen Spiegel vor. So erfährt die angesprochene Person, welche Wirkung sie nach außen hat. Und kann gleichzeitig vergleichen, ob dieses Bild dem entspricht, was sie von sich selbst hat oder wie sie erscheinen möchte.
Bewerte nicht, interpretiere nichts hinein und moralisiere nicht. Dein Gesprächspartner fühlt sich sonst genötigt, sich zu rechtfertigen. Sage „Du kommst zu spät zu unserer Verabredung.“ Statt: „Du bist unzuverlässig.“ Oder im positiven Sinn: „Es ist Ihnen gelungen, die Mitarbeiter für die neue Aufgabe zu motivieren.“ Statt: „Sie sind eine gute Teamleiterin.“

…kommt zeitnah

Am wirksamsten ist eine Rückmeldung, wenn sie unmittelbar auf das gezeigte Verhalten erfolgt. Sprich gleich an, was dir auffällt und schieb das Gespräch nicht auf die lange Bank. Je mehr Zeit verstrichen ist, desto weniger erinnern sich beide, dein Gesprächspartner und du, an den genauen Vorgang. Die Rückmeldung ist nicht dann mehr hilfreich.
Wärme also nicht alte Geschichten auf „Im letzten Sommerurlaub hast du…“, sondern beziehe dich auf das, was gerade geschieht: „Du unterbrichst mich gerade.“

…kommt erbeten

Überprüfe, ob dein Gegenüber für deine Rückmeldung offen ist. Am besten ist es natürlich, wenn die Empfängerin selbst darum bittet. Wenn sie fragt „Sehe ich das jetzt falsch?“ oder „Wie fanden Sie die Präsentation?“ kannst du davon ausgehen, dass deine Informationen erwünscht sind. Du kannst ein Feedback aber auch anbieten: „Mir ist auf der Party etwas aufgefallen. Willst du es hören?“

Es kann sein, dass deine Gesprächspartnerin nur im Augenblick nicht in der Lage ist, das Feedback aufzunehmen. Wenn sie gerade mit anderen Dingen beschäftigt ist, nimm Rücksicht darauf und verabrede einen anderen Zeitpunkt, um darüber zu sprechen. Auch gilt es zu erkennen, ob sich die augenblickliche Situation für eine Rückmeldung eignet. Loben kannst du auch vor Zuhörern (du solltest es sogar), Kritik aber ist immer Anlass für ein Gespräch unter vier Augen.

…ist konkret und nicht pauschal

„Sie sind immer…“ „Ständig machst du…“ Mit pauschalen Bemerkungen stempelst du das Verhalten deines Gesprächspartners als unveränderbare Eigenschaft ab. Was folgt? Deine Worte werden nicht mehr gehört, der Empfänger schottet sich innerlich ab. Denn niemand möchte als Person herabgesetzt werden.

Trenne Person und Verhalten. Dann ist auch eine kritische Rückmeldung wertschätzend und nicht vernichtend. Dies ist vor allem dann möglich, wenn der Empfänger merkt, dass du mit deiner Rückmeldung wirklich unterstützen willst und nicht aus eigennützigen Motiven heraus handelst, z.B. weil du dir vielleicht einen Vorteil davon versprichst, wenn dein Gegenüber sein Verhalten ändert. Verbinde deine Äußerungen mit konkreten Situationen. Verzichte auf verallgemeinernde Formulierungen und beziehe dich auf eine Situation und ein Verhalten. Nur dann kann der Angesprochene das Feedback nachvollziehen.

…gibt die eigene Sichtweise wieder

Bleib bei deinen subjektiven Beobachtungen und benenne diese auch so. „Ich habe gehört, wie Sie …“ oder „Es gibt aus meiner Sicht einige Ansätze zur Verbesserung…“  Es fällt deinem Gegenüber leichter, die Rückmeldung anzunehmen, wenn sie in der Ich-Form ausgesprochen wird.

Auf keinen Fall solltest du die Wirkung deiner Beobachtungen verstärken wollen mit dem Nachsatz „Die anderen sehen das auch so…“ Das provoziert Widerstand beim Empfänger, er wird sich verteidigen und das Feedback nicht an sich herankommen lassen wollen.

…ist anwendbar

Wer Rückmeldung bekommt für etwas, was er nicht ändern kann, ist zu Recht frustriert. Sprich also nur solche Verhaltensweisen an, die die Empfängerin zu ändern auch in der Lage ist. Wenn deine Gesprächspartnerin allerdings nur glaubt, die vorgeschlagenen Änderungen nicht erreichen zu können, zeige ihr einen Weg auf, wie dies möglich ist.

Wer eine hohe Stimme hat, kann mit dem Hinweis wenig anfangen, dass tiefe Töne überzeugender wirken. Wenn du aber sagst „Ich habe gehört, dass es mit einem Stimm- und Atemtraining gelingt, tiefer zu sprechen“, bekommt eine Idee für Weg.

…überlässt dem Empfänger die Entscheidung

Eine Rückmeldung ist keine Forderung, die der Empfänger erfüllen muss. Du kannst dir den Gesprächspartner zwar anders wünschen, ihn aber nicht dazu zwingen. Jeder hat das Recht, selbst zu entscheiden, welche Konsequenzen er aus den erhaltenen Informationen zieht. Wenn deine Worte aber ehrlich gemeint sind und du wertschätzend mit der Person umgehst, vergrößert sich die Chance, dass dein Feedback auf fruchtbaren Boden fällt.

Foto:© Yuri Arcurs – Fotolia.com

 

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