Wir kennen es zur Genüge: taucht in Politik, Wirtschaft oder dem eigenen Berufs- und Privatleben ein Fehler auf, geben die Verantwortlichen oft gerade nur so viel zu, wie sowieso schon bekannt ist. Sie rücken dann je nach Sachlage Stück für Stück mit weiteren Geständnissen heraus oder aber sie weisen die Schuld von vorneherein weit von sich und suchen einen anderen Sündenbock.

Ein solches Verhalten hat weitreichende Folgen:

  • Der Fehler wirkt weiter, es wird oft noch viel schlimmer und kostet mehr und mehr Geld und Zeit, ihn auszubügeln.
  • Nicht eingestandene Fehler vergraulen Kunden und beeinträchtigen Beziehungen.
  • Die Zuständigen verstricken sich in einem Lügengeflecht, aus dem herauszukommen immer schwieriger wird.
  • Das Vertrauen in die Sache und in die Person wird verspielt.
  • Die Glaubwürdigkeit leidet ganz nach dem Motto „wer einmal lügt..“

Was aber ist so schwer daran, einen Fehler zuzugeben und sich bei den Betroffenen zu entschuldigen?

Natürlich können wir es mit der in Deutschland mangelnden Fehlerkultur begründen. Mit der Meinung, Fehler kämen einem Scheitern gleich und trügen nicht die Chance in sich, Neues zu lernen und Altes besser zu machen. Doch es wäre zu einfach, sich auf eine solche Erklärung zurückzuziehen.

Denn jeder und jede hat die Chance, es anders zu machen und so zu einem Vorbild in Sachen Umgang mit Fehlern zu werden.

Voraussetzung dafür ist, dass du dir eingestehst, etwas falsch gemacht zu haben. Verabschiede dich von der Vorstellung, perfekt sein zu müssen und keine Fehler machen zu dürfen. Denn Fehler passieren, das ist menschlich. Vor allem, wenn wie in der heutigen Zeit vieles unter Zeitdruck abgearbeitet werden muss und das Ergebnis nicht mehr kontrolliert werden kann.

Wenn du feststellst, dass etwas falsch gelaufen ist und du dafür die Verantwortung tragen, helfen dir die folgenden Schritte:

Warte nicht, bis man dir den Fehler nachweist, sondern bemühe dich sofort um Aufklärung, nachdem du ihn bemerkt hast. So bleibt der Schaden in der Regel gering.

Frag dich, wer den fehlerhaften Vorgängen wissen muss und suche das Gespräch, ganz gleich, ob es sich um den Vorgesetzten, um Mitarbeiter, Kollegen, Kunden, Freunde oder Familienmitglieder handelt. Bereite dich auf das Gespräch vor, wähle einen ruhigen Ort und einen für alle Beteiligten günstigen Zeitpunkt. Stell dich dennoch auf eine unangenehme Reaktion deiner Gesprächspartner ein, auch wenn du in die Offensive gehst und den Fehler von dir aus ansprichst. Schließlich ist etwas passiert, was nicht hätte sein dürfen.

Wirst du mit einem Fehler konfrontiert, den du verursacht hast, gib nicht Ihrem ersten Impuls nach und streite ihn ab, sondern frage nach. Möglicherweise willst du dir die Sache erst noch einmal selbst ansehen und dich von der Fehlerhaftigkeit überzeugen. Danach aber ist ein Gespräch unabdingbar.

Überlege, was du zur Wiedergutmachung beitragen kannst. Schlage Lösungen vor und zeige dich bereit, diese umzusetzen.

Problematisch wird ein Fehler nur, wenn es nicht bei einem Einzelfall bleibt, sondern er wiederholt auftritt. Überlege deshalb, wie du das vermeiden kannst und sprich das an.

Entschuldige dich für den Fehler und vermeide, Gründe für dein Fehlverhalten bei anderen zu suchen. Sich zu entschuldigen bedeutet keinen Gesichtsverlust. Im Gegenteil, du beweist innere Größe und Selbstbewusstsein und zeigst, dass du bereit bist, die Verantwortung für Ihr Handeln zu übernehmen. Du gewinnst so den Respekt und die Anerkennung deines Umfelds und wirst zum Vorbild.

Reite nicht auf deinem Fehler herum. Wenn du das Gespräch gesucht, deinen Anteil zur Lösung aufgezeigt und dich entschuldigt hast, reicht es aus, damit muss die Sache beendet sein. Mach es beim nächsten Mal einfach besser.

Solltest du im Beruf Angst vor den Konsequenzen haben, um dein Ansehen bei Vorgesetzten und Kollegen fürchtest oder gar vermutest, den Arbeitsplatz zu verlieren, wenn du einen Fehler zugeben, dann übe mit Kleinigkeiten. In diesen Situationen wird die Angst unbegründet sein. Du lernst aber gleichzeitig,  wie souverän die anderen im Umgang mit Fehlern sind und weißt dann, wie weit du dich vorwagen kannst.

Foto: fotolia@pressmaster

 

 

 

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